MICO

                                                                             Bericht und Bilder aus Hurghada

Freitag der 13.
Mico, geb. 1.8.08, männlich, kastriert , Deutsche Dogge

Freitag, der 13 .2. 09: Am Abend bekam ich einen Telefonanruf. Sein ( wer auch immer das war) Hund sei angefahren worden - ob ich ihn nehmen könnte. Meine erste Reaktion war NEIN, ich hab keinen Platz, mit einem verletzten Hund müsse er zum Tierarzt.
Er sei nun seit 15.00 h unterwegs und finde keinen Arzt, der Einzige, der gebrochene Beine flicke sei nicht in Hurghada und die Operation koste 4000.-. Wenn ich den Hund nicht nehme, schmeisse er ihn auf die Strasse!
Ich fragte ihn, wie kommt es, dass Du Deinen Hund einfach mit gebrochenem Bein auf die Strasse befördern willst, dass kannst Du doch nicht machen!
Die Antwort kam sofort! Kein VET. will helfen! Dr. Mohamed der bei ihm sei, kenne sich damit nicht aus! Das BlueMoon wäre die letzte Rettung, er habe keine 4000.- LE ( das ist in etwa ein halbes Jahressalär in Egypt).
Also meinte ich, kommt vorbei, ich schaue mir das an, aber ich bin kein VET
und Platz habe ich auch keinen.
Alsbald klopfte es an der Tür und Dr. Mohamed und irgendein Angestellter kamen mit dem Hund, der ein Labrador sein sollte, zu mir. Ich schickte sie in unser Behandlungszimmer. Der VET. verschwand dann sofort. Ich sah mir die Wunde an. Vorderbein gebrochen und der Knochen schaute raus bei der 7 Monate alten Deutschen Dogge.
Ich fragte nach dem Besitzer. Der sei arbeiten gegangen! Ich meinte wie jetzt, ihr könnt doch nicht einfach den Hund abliefern und abhauen?! Ich schickte unseren Mohamed raus um nach dem VET und dem Besitzer zu sehen – erfolglos!
Somit verband ich die Wunde und stabilisierte das Ganze notdürftig. Mico - wie er heisst nach Angaben des Mannes der noch da war - wurde gewogen. Stolze 35kg.
Aber zu dünn für sein Alter und seine Rasse.

Wir packten ihn in den Quarantäneraum und gaben ihm zu fressen und zu trinken. Mico schien sehr dankbar und endlich angekommen zu sein. Er hat auch das Verbinden der Wunde ohne Murren über sich ergehen lassen. Ein wunderschönes Tier mit sanftem Charakter.
Wir hörten die ganze Nacht nichts von ihm.
Am Morgen dann das Telefonat mit Birgitta in Deutschland - was machen ohne Arzt.
Nun bekam ich Hilfestellung von einem VET.
Der meinte, Antibiotika, Schmerzmittel und Halbschiene.

Ok, Mico kam wieder ins Behandlungszimmer, er bekam eine Dosis Narkosemittel und Elain und ich nahmen den Verband ab. Wir sahen nichts Gutes - ein kleines Loch wie ein Eurostück und der Knochen der rausschaute. Elain und ich waren uns einig, dass der Knochen wieder rein musste in das Loch.
Also rief ich Doktor Grassmann in Deutschland an. Ich beschrieb ihm die Situation und er meinte, der Knochen muss wieder rein und dann Spülen! Das wusste ich noch von unseren schweizer Ärzten, als sie bei uns einem Hund das bein amputiert haben.
Dann Halbschiene aus Gips und zum Chirurgen.
Also nahm ich mein Herz in beide Hände, denn ich bin überhaupt nicht vom Fach und manövrierte den Knochen wieder zurück. Zum Glück waren Elain und Bill bei mir, denn ich war sehr aufgewühlt.

Mit Hilfe von Elain, die Krankenschwester ist, machten wir die Halbschale, auch für sie eine Premiere.
Ich rief in Cairo an bei einem Knochenchirurgen, einer der 4 in Cairo, der mich immer mit Rat und Tat unterstützt.
Er meinte gut gemacht, kommt morgen nach Cairo wir operieren!

Nun, dass musste erst organisiert werden, denn meinen Cherockee-Jeep habe ich zu Gunsten der Klinik und des Personalhauses verkauft und mit dem roten Käfer konnte ich schlecht 7 std nach Cairo fahren.
Doch Bill meinte, er fahre mit mir. Aber da waren noch die anderen Tiere, mein Flaschenbaby, das Kätzchen Mio und der Neuzugangdalmatiner, die man nicht einfach so allein lassen kann.
Für die anderen 150 Tiere war ja gesorgt.
Mein Mann fütterte also Mio und Mohamed unser Neffe nahm sich dem Dalmatiner Chagal an.

Noch eine halbe Nacht schlafen und um 05.00h gings los.
Mico auf dem Hintersitz und Bill hinter dem Steuer.
Mico verhielt sich grossartig. Er machte kein Mucks, ging bei den Boxenstopps gehorsam Gassi - auch mit unserem Gipsding, dass er mitschleppen musste. Ein- und Ausssteigen waren eher schwierig, umso mehr er Angst vor dem Hochheben hatte.

Aber wir kamen pünktlich in Cairo an.
Wie gewohnt ohne Parkplatz, Mitten im Gewühle. Also steig ich mit Mico aus und Bill geht auf Parkplatzsuche.
Aber Mico machte inmitten der Autos keinen Schritt! Also hob ich das 35kg schwere Tier hoch auf den Gehsteig. Zur Klinik geht's ein paar Stufen runter, aber die wollte Mico partut nicht nehmen. Zum Glück kam Dr. Mohamed und hob das Tierchen mit Leichtigkeit hoch und die Treppe runter.

Also zuerst Röntgen und Lagebesprechung.
Heute würden sie nicht mehr operieren, aber morgen um 10.00h. Nein, leider hatten sie keinen Platz für Mico über die Nacht. Na ja, dass kenne ich ja von mir. Also sind wir wieder losgezogen, um die Ecke war ich mal mit meinem Mann in einem sympathischen Hotel, dort wollen wir nachfragen.
Also Mico ins Auto und ab zum Hotel.
Ja, 2 Zimmer wären frei, aber der Hund das geht gar nicht.

Unser Vorschlag war, den Hund bitte im Auto in der Hotelgarage lassen zu können, er sei auch bestimmt ganz ruhig.
Das müsse der Chef entscheiden, eigentlich geht das nicht. Dann kam ein sehr sympathischer Herr zu uns. Herr Kaval, der Besitzer vom Karvin Hotel. Er hörte sich unser Problem und die Geschichte von Mico an und meinte, wir dürfen den Hund im Auto lassen in der Garage und ob es ein kleiner Hund sei. Ich meinte ein junger, nur 7 Monate, doch eine Deutsche Dogge!
Er schluckte 2 Mal und meinte, er sei Inder und Budist, man soll helfen wenn Not ist und lies vom Koch auch noch ein Menu für Mico bringen. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Nochmals vielen Dank Herr Kaval. Es sollte mehr solche Menschen geben!

Mico hat sich super verhalten, er war nun im ganzen Hotel bekannt, aber niemand ging und störte seine Ruhe mit dummen Wau Wau, Miau Miau oder Klopfen an die Scheiben.

Als auch wir ein wenig Ruhe hatten bekam ich von Birgitta die Neuigkeit, dass sich viele Leute bemühten um Mico aus Europa zu helfen und er hat auch schon einen schönen Platz bekommen, wo er dann wenn er alle Papiere hat, hingehen kann zu anderen Doggen und einem lieben Menschen, der ein Herz für Tiere hat, die schon einen Wüstenhund von uns aufgenommen haben.

Und unser schweizer Arzt rief mich an, er habe gelesen, was mit der Dogge sei - ich soll doch nach Cairo. Ich erzählte ihm, dass wir schon da sind und Mico morgen operiert wird.

Am anderen Tag sind wir mit Mico zur Klinik.
Wir halfen noch ein wenig bei den Vorbereitungen, ein Röntgen wurde gemacht und Mico war in seinem Tiefschlaf. Nach 3 Stunden operieren waren die beiden Knochen mit einer Platte verschraubt und alles zugenäht. Nebenbei wurde er noch kastriert, was in kurzer Zeit gemacht war.
Die 3 Ärzte haben gute Arbeit geleistet, es gab noch ein Bild von den Schrauben und der Platte – für mich sah alles perfekt aus.
Nun Vergipsen und Nachbehandlungsbesprechung und einladen. Wir haben dann noch eine kleine Katze mitgenommen, die auch das Bein gebrochen hatte und niemand wollte sie. Ich bin sicher, dass wir auch für sie einen Platz finden.

Nun, Mico einladen leider mitten im Verkehr von Cairo - ohne Parkplatz mit Gehupe und Geschimpfe! Und los gings, die Katzenbox auf meinem Schoss, die Taschen irgendwie verstaut und Mico lag falsch herum auf der Rückbank als er begann, aufzuwachen.
Oh Gott, auch das noch.
Also ich mit meinen 100 Kg und mehr mit Akrobatik die Katze verstauen, Taschen platzieren, nach hinten krabbeln, Sitz verschieben und Mico auf die richtige Seite legen. Das alles in der Stosszeit Mitten in Cairo - man hätte eine versteckte Kamerea platzieren können.
Doch einmal raus aus dem Trubel ging alles viel besser und die ganze Fahrt war Mico dann ruhig, noch im Halbschlaf.
Wir kamen um 21.00h in Hurghada an und versorgten Mico mit Heizkissen und allen, was er braucht. Er hatte einen Riesenappetit. Mico ist wirklich ein Superkerl und hat das Ganze toll mitgemacht.
Auch die Katze wurde versorgt und endlich war Ruhe.

Am anderen Tag war der verrückte Kerl schon wieder auf den Beinen als wenn nichts passiert wäre. Hoppelt mit seinem Gipsbein durch sein Räumchen. Wir würden noch lange flach liegen bei so einer Tortour.
Nun geht's ans Gesund werden. Es soll gut zusammenwachsen und bitte keine Infektion geben . Verbandswechsel jeden 2. Tag und wir sind guter Hoffnug.

Das wird schon wieder.

Nun, die Frage ist, ob Freitag der 13. wirklich ein Unglückstag ist - ich denke für Mico war das ein Glückstag, definitiv.
Möchte nicht wissen, was mit ihm auf der Strasse passiert wäre.

  

   

      

   

          

       

Gute Besserung kleiner Wauzi

  

Obwohl es zwischenzeitlich nicht sehr gut aussah, ist Mico endlich auf dem Weg der Besserung.